Frau Trotz ist da

Ich blicke meine Tochter an und staune. Was für eine Magie.
War sie nicht gerade noch in meinem Bauch?
Nun ist sie mit 1,5 Jahren ein kleiner Mensch.
Ein Mädchen.
Sie plappert, jeden Tag ein neues Wort, sie rennt, klettert, isst wie ein Scheunendrescher, stellt Blödsinn an und kuschelt sich in meine Arme. Doch wer hätte gedacht, dass nun die erste Trotzphase vor der Tür steht?

Und plötzlich ist sie da: Frau Trotz.
Wie aus heiterem Himmel.
Es beginnt tagsüber. „Hose, nein!“, ruft mein Engel und rennt so schnell sie die Füße tragen können. Auf einmal werden die Dinge anstrengender.
Das Anziehen.
Das Windelwechseln.
Das Beenden.
Das Anfangen.
Das Trennen.
Die erste Trotzphase im Kleinkindalter war da.

Nachts wachsen Hörner am Kopf

Es war ein schleichender Prozess. Frau Trotz bemächtigte sich meiner Tochter innerhalb von drei Wochen. Und dann brach die Hölle aus. Von einem Abend auf den anderen wollte meine Tochter nicht mehr schlafen. Sich nicht hinlegen. Nicht schlafen. Nicht träumen.

Schreien und Weinen war an der Tagesordnung. Bereits auf dem Weg zum Schlafzimmer. Weinen beim Lesen. Beim Kuscheln. Beim Zudecken. Manchmal die ganze Nacht über. Sie wollte und konnte nicht mehr schlafen, ohne getragen oder gewiegt zu werden. Ich war nach einer Woche am Ende.

Erst dachte ich, es liegt an der Erkältung, als diese aber nach vier Tagen abgeklungen war, änderte sich nichts. Meine Tochter weinte und schrie. Ich trug und wiegte sie. Sang. Erzählte. Machte ein Nachtfläschchen. Lief mit ihr auf und ab. Legte sie in unser Bett. Schlief neben ihr, Hand in Hand. Nichts half. Sie schlief für 30 Minuten, vor Erschöpfung, erwachte weinend und alles begann von vorn.

Die Trotzphase, aha.

Du kannst dir vorstellen, wie es mir ging. Die Arbeit. Der Haushalt. Der Einkauf. Alles muss trotzdem weitergehen. Ich war ein Schatten meinerselbst. Dünnhäutig. Verwirrt. Müde. Kraftlos. Lachen war mir fremd.

Nach einer Höllen-Woche fragte mich eine Mama: „Wann geht die Maus denn ins Bett?“
„Sieben Uhr. Halb 8 schläft sie normalerweise.“
„Probiere es mal eher. In dem Alter erleben sie alles intensiver. Sie braucht vielleicht mehr Zeit zum Schlafen und ist früher müde.“
Und das machte ich.
Statt sieben Uhr legte ich meine Tochter sechs Uhr ins Bett. Gleich beim ersten Versuch weinte sie nicht, als wir Richtung Schlafzimmer steuerten. Sie lachte beim Lesen. Kuschelte ausgiebig. Als ich das große Licht löschte, meckerte sie, leckte sich dann aber hin. Und Schwupps: 30 Minuten später schlief mein Schatz und wachte nur einmal auf.

Ich beherzigte auch einen Rat meines Mannes. Ruhig bleiben, nicht so viel sprechen, nicht anfassen, wenn es nicht nötig ist. Alles zusammen wirkt Wunder, am Tag und in der Nacht. Manchmal ist weniger eben mehr.

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