Prozess gegen Deniz Yücel

Foto: Harald Krichel / Wikipedia

Am 13. Februar 2020 setzte der Prozess gegen Deniz Yücel in Istanbul fort. Der ehemalige DIE WELT-Korrespondent war 2018 aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Am selben Abend reiste er nach Deutschland zurück. Die türkische Justiz jedoch wirft Yücel weiterhin „Propaganda für eine Terrororganisation“ und „Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit“ vor.

368  Tage saß Deniz Yücel in der Türkei im Gefängnis, davon 290 Tage in Einzelhaft. 368 Tage war der Auslandskorrespondent allein mit seinen Gedanken und der Angst vor dem, was sein wird. Diese 368 Tage führten unter anderem zu einer Verschlechterung der Auslandsbeziehungen zwischen Deutschland und der Türkei. Die Untersuchungshaft hat das türkische Verfassungsgericht inzwischen für rechtswidrig erklärt. Denn: Der Inhalt von Yücels Artikeln ist von der Pressefreiheit gedeckt gewesen.

Was passierte Deniz Yücel?

Am 14. Februar 2017 geht Deniz Yücel in das Polizeipräsidium in Istanbul, um Fragen der Ermittler zu beantworten. Yücel hatte damals wie viele andere über eine Hackerattacke auf das E-Mail-Konto des türkischen Energieministers berichtet. Yücel bleibt an diesem Tag in Polizeigewahrsam.

Das schnelle Reagieren und Einwirken von Bundeskanzlerin Merkel ändert nichts daran. Am 27. Februar 2017 erlässt ein türkisches Gericht wegen kurz gesagt „Volksverhetzung“ einen Haftbefehl gegen Yücel. Dann beginnen die 368 Tage, in denen nicht nur Deutschland um die Freilassung Yücels kämpft.

Der aktuelle Prozess

Die Staatsanwalt fordert für Yücel wegen Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK sowie Volksverhetzung nun bis zu 16 Jahre Haft. Yücel ist in Deutschland und bleibt dem Verfahren – aus guten Gründen – fern. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Yücels Artikel, die er als Korrespondent für DIE WLET schrieb. Ein Journalist soll sich also für seine Arbeit verantworten.

Leider ist die mangelnde Pressefreiheit in der Türkei in Vergessenheit geraten. Noch immer sitzen dort rund 22 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Was kannst du tun? Trete wie ich dem netzwerk REPORTER OHNE GRENZEN bei oder unterstütze in Not geratene Journalisten mit einer Spende.

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