Die KI im Journalismus ist kein Science Fiction. Während sie in Redaktionen längst mitschreibt, drängt sich mir eine Frage auf: Warum machen wir es mal wieder so kompliziert? Ich meine damit nicht die Debatte, die um die Nutzung ausgebrochen ist, sondern die Menschen, die geneigt sind, entweder das Schlimmste in dieser Technik zu sehen oder sie unbekümmert nutzen und darüber wichtige Werte vergessen.
Inhalt
Mutig. Provokant. Investigativ.
Ehrlich. Emotional. Kritisch.
Wahr.
Das sind Eigenschaften und Missionen des Journalismus. So wie ich ihn verstehe. Die Aufgabe eines Journalisten sollte lauten: Finde in der Geschichte die Wahrheit und schreibe sie auf, damit alle, die sie lesen wollen, die Möglichkeit dazu haben. Inzwischen geht es in vielen Redaktionen nur noch um: Wie schreiben wir schneller? Mit weniger Personal? Wo sparen wir noch mehr Kosten. Wo erzeugen wir mehr Klicks?

Der automatisierte Journalismus steht vor der Tür. Die technischen Entwicklungen legen ein Tempo an den Tag, dass mir schwindelig wird. Schwindelerregend sind auch die Debatten über die Nutzung der KI, vor allem in den Medien und der Verlagswelt. Stammen diese Zeilen von einem Mensch? Welche Ideen sind von der KI? Wie intensiv nutzen wir KI in Redaktionen? Ist automatisierter Journalismus überhaupt Qualität?
Wir hören von Geburt an eine innere Stimme. Sie lädt uns ein, die Welt zu erkunden, Erlebtes mit anderen zu teilen, festzuhalten und manchmal die Wahrheit aus dem Dunkel zu befreien. Einige von uns machen dieses Streben zum Beruf. Sie sind Autoren, Journalisten, Reporter oder Redakteure. Die Werkzeuge und die Medien, mit denen sie uns erreichen und wir ihre Stimme „hören“ können, haben sich im Laufe der Zeit verändert: Zeitung, Bleistift, Radio, radierbarer Tintenroller, Fernsehen, Streaming, Internet und nun die künstliche Intelligenz.
In einem Beitrag auf Kress.de sagt der Ippen.Media-Chefredakteur Markus Knall: „Niemand ist Journalist geworden, um Texte zu tippen.“ Diese Aussage schürt das Feuer um die aktuellen Diskussionen, die in der Zunft des „Schreibens“ ausgebrochen sind. Angst breitet sich aus wie ein unheimliches Grollen am Himmel. Ersetzt die KI uns Autoren? Ersetzt KI uns alle? Nur eine Frage der Zeit?
Was ist KI ? (die zwei nachfolgenden Absätze stammen von Chatti, auch bekannt als ChatGPT)
Künstliche Intelligenz ist Software, die Muster in Daten erkennt, daraus Wahrscheinlichkeiten berechnet und auf dieser Basis Aufgaben ausführt, die bisher menschliche Denk- oder Kreativleistungen erforderten. Sie arbeitet nicht mit Bewusstsein, sondern mit Modellen, Trainingsdaten, Algorithmen und statistischen Vorhersagen.
Moderne KI kann Sprache, Bilder, Ton, Code und komplexe Zusammenhänge analysieren, erzeugen und bewerten. Ihre Stärke liegt nicht im Verstehen wie ein Mensch, sondern im schnellen Verarbeiten großer Datenmengen und im Erzeugen plausibler Ergebnisse.
Und ja, genau das erleben wir täglich: Mit einem KI Text Generator erstellen wir Texte meist mit nur einem Klick. Das ist kein Kraftakt mehr und verläuft superschnell. Trotzdem fehlt meist etwas. Eine Seele? Ein unverkennbarer Stil? Eine CI?

KI Text Generator: Verlieren wir das Leitbild des Journalismus?
Markus Knall sieht Redakteure in seiner Zukunftsversion als „KI-Komponisten“. Was für eine Wort-Neuschöpfung. Das zählt zu den für mich unnötigen Bedürfnissen großer Medien-Bosse. Sie können oder wollen die Dinge nicht beim Namen nennen, sie erschaffen aberwitzige Wort-Wildheiten, die von den Medien in Headlines zitiert werden. Was sollen uns diese konstruierten Begriffe sagen? Sie sind emotionslos und sinnfrei, ebenso wie ein schnell generierter Text der KI auf Basis eines schlechten Prompts. Diesen fremdartigen Begriffen fehlt es an Inhalt, um wirklich etwas zu bewirken. Sie pieken, kurz, aber schmerzen kaum merklich.
Ein Journalist, der vage Fakten und eine ungenaue Schreibe vorzuweisen hat, schreibt keinen guten Text. Da ergeht es ihm, wie der KI – außer dass sie keine Rechtschreibfehler macht. Für eine emotionale Story braucht es mehr. Das weiß auch die Künstliche Intelligenz. Um wirklich etwas Brillantes zu erschaffen – ich spreche hier vom Schreiben, denn in vielen Bereichen ist sie tatsächlich auch ohne unsere Hilfe bereits ein Wunderwerk – braucht sie unseren Input. Es ist eine Art Schubser, der nötige Drive. Warum? Der KI fehlt unsere menschliche Individualität. Die Einzigartigkeit.
Wenn Journalisten, Redakteure oder Autoren sich in den Schreibprozess wagen, können sie das eigene „Ich“ niemals völlig ausblenden. Die Fakten vermischen sich mit gelebten Erfahrungen, Sehnsüchten, Wünschen oder Werten. Auf diese Weise verwandelt sich das Geflecht aus Fakten in eine Geschichte, die andere erreicht, anspricht und womöglich leitet.
Schon länger stelle ich die Medienkompetenz infrage. Es scheint, als bestehen Nachrichten jeglicher Genres nur noch aus Schwarz und Weiß. Gut und Böse. Wo ist das Dazwischen? Sind Klicks das A und O? Warum haben wir denn ursprünglich Medien wie Zeitung, Radio, Fernsehen und das Internet hervorgebracht? Wir wollen uns kommunizieren. Miteinander. Auf einer Ebene. Gerade Journalisten beherrschen das doch besonders gut. Sie tragen also eine Verantwortung. Verlieren wir das Leitbild des Journalismus? Was war das denn gleich nochmal?
Eine ziemlich gute Antwort liefert der Film „Good Night and Good Luck!“ von und mit George Clooney. Dort wird das idealistische Fernseh-Duo Edward R. Murrow und Fred W. Friendly in den 1950er Jahren portraitiert. Damals verbreitete der amerikanische Senator McCarthy Angst und Schrecken in Amerika. Er sah überall die Gefahr von Kommunisten und setzte die Menschen durch öffentliche Verdächtigungen unter Druck. Darunter auch Künstler und Journalisten. Die CBS-Mediengrößen Murrow und Friendly wagten es, zu trotzen. Denn eine gute Berichterstattung bedeutet, Stellung gegenüber Unrecht zu beziehen, die Fakten sorgfältig zu prüfen und Mächte kritisch zu hinterfragen.

KI Texte erstellen: Was ist denn nun ein KI-Komponist?
Zurück zu dem „KI-Komponist“ von Markus Knall: Hörst du Musik, wenn du einen KI-generierten Text liest? Ich nicht. Was ist überhaupt ein Komponist? Ein Künstler? Ein Held? Oder einfach ein kreativer Mensch, der etwas ins Leben ruft, dass wunderbar ist? Etwas so Sprudelndes wie eine Oper. Im Kopf nachhallende Worte. Nicht gesehene Bilder. Was erschafft nach Markus Knalls Auffassung sein „KI-Komponist“? Eine korrekte Anreihung der Inhalte einer KI? Ist das eine Komposition, die mit jenen von Schiller, Puccini oder Einstein mithalten kann? Einer Story, die unvergleichlich ist? Ein Beitrag, der Spuren hinterlässt?
Meiner Auffassung und Erfahrung nach erschafft die KI Inhalte, die nicht aus einem inneren Bedürfnis wie das eines Menschen entstehen. Die KI hört keine Stimme, folgt keinem Drang. Sie erzeugt algorithmische Daten, kombiniert Fakten, Inhalte. Wo ist hier der schöpferische Funke? Die Einzigartigkeit? Eine KI denkt nicht wie ein Mensch, sie simuliert uns.
Der Begriff „KI-Komponist“ klingt wie die hoffnungslose Suche nach einem gut klingenden Aufmacher für ein Statement, dass durch die Gazetten saust. Natürlich mit Hilfe der KI. Denn das kann sie gut. Wilde Kombinationen ohne Sinn. Warum auch nicht. Sie findet immer ein starkes Argument dafür, warum ihr Vorschlag sinnvoll ist. Und mal ehrlich – wir lassen uns gern überzeugen, stimmt’s?
KI im Journalismus: Schreiben wir unsere Geschichte selbst?
Dank der rasenden Entwicklung von Künstlicher Intelligenz erleben wir einen gesellschaftlichen Umbruch. KI ist unser neustes Werkzeug, dass nicht nur die Medien verändert, sondern unsere Gesellschaft im Allgemeinen. Wir sind zu unglaublichen Dinge in kürzester Zeit fähig. Das beflügelt uns, erschöpft aber auch gelegentlich, denn sie scheint unermüdlich zu sein, stößt nie an Grenzen und eröffnet immer mehr nie gedachte Möglichkeiten. Die KI ist kein Hexenwerk, sondern Technik. WIR haben sie erschaffen. Zu was der Mensch jetzt dank KI im Stande sein wird?
Künstliche Intelligenz in den Medien ist nicht mehr abzuwenden. Was machen wir daraus? Nutzen wir die KI für unsere Zwecke. Punkt. Bestimmen wir das Wo und Wie. Punkt. Entscheiden wir, ob sie uns überflügelt oder uns entgleitet. Punkt. Im Journalismus kann sie ein unentbehrliches Werkzeug sein (ist sie bereits), dass uns schneller und besser zur bestmöglichen Form unserer Geschichte führt. Am Anfang und am Ende denkt ein Mensch und so entstehen Beiträge, die wir mit Freude und Spannung lesen – nicht nur die KI.
„Unsere Geschichte ist das, was wir aus ihr machen“, sagt Edward R. Murrow im Film „Good Night and Good Luck!“. Ich plädiere dafür, dass sich Markus Knall und seine Debattier-Kollegen zu einem gemütlichen Abend treffen und sich diesen Film einverleiben. Aber Achtung! Er ist schwarz-weiß. Ich wette, dass anschließend die Erinnerung aufblitzt, was Journalismus bedeutet. Auch ohne Prompt.
FAQ Fragen rund um KI im Journalismus
Wie wird KI im Journalismus genutzt?
KI wird im Journalismus vor allem eingesetzt, um Texte vorzubereiten, große Datenmengen auszuwerten, Themen zu recherchieren, Zusammenfassungen zu erstellen oder Routinetexte zu formulieren. Sie kann Redaktionen helfen, schneller zu arbeiten und Informationen besser zu sortieren. Besonders bei standardisierten Inhalten wie Wahlergebnissen, Sportmeldungen, Wetterdaten oder Börsenberichten kann KI sinnvoll unterstützen.
Wird der Journalismus durch KI ersetzt?
Künstliche Intelligenz verändert den Journalismus, aber sie ersetzt ihn nicht. Sie kann Texte erzeugen, Daten analysieren und Formulierungen vorschlagen. Was ihr fehlt, ist menschliche Erfahrung, Verantwortung, Haltung und echtes Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge. Journalismus besteht nicht nur aus Schreiben, sondern aus Zuhören, Nachfragen, Prüfen, Einordnen und dem Mut, relevante Geschichten sichtbar zu machen.
Welche KI eignet sich am besten für Journalisten?
Für Journalistinnen und Journalisten eignet sich eine KI, die beim Recherchieren, Strukturieren, Zusammenfassen und Formulieren unterstützt, ohne die redaktionelle Verantwortung zu ersetzen. Wichtig ist weniger der Name des Tools, sondern der bewusste Umgang damit: Quellen müssen geprüft, Fakten kontrolliert und Aussagen eingeordnet werden. Eine gute KI ist im Journalismus kein Ersatz für Recherche, sondern ein Werkzeug für Vorbereitung, Analyse und sprachliche Verdichtung. Die beste KI bleibt deshalb die, die transparent, nachvollziehbar und kritisch genutzt wird.
Ist KI ein Meilenstein für Medien und Gesellschaft?
Ja, KI ist ein Meilenstein für Medien und Gesellschaft, weil sie verändert, wie wir schreiben, lesen, recherchieren, entscheiden und Informationen bewerten. Sie ist mehr als ein technisches Werkzeug, denn sie greift in Sprache, Kreativität, Wissen und Öffentlichkeit ein. Gleichzeitig zwingt sie uns, neu zu fragen, was menschliche Arbeit, Wahrheit und Verantwortung bedeuten.