Die Mama und das Gehirn

Mit Beginn der Schwangerschaft stehen die Mama und das Gehirn auf Kriegsfuß. Die Schwangerschaft verändert den Kopf. Das ist eine nicht zu verleugnende wissenschaftliche Tatsache.

Zuerst dachte ich, mein Verstand spielt mir Streiche und das sei normal. Denn frische Mamas sind einer permanenten Mischung aus Glückseligkeit und Anspannung ausgesetzt. Dann kommt die Stilldemenz, der Stress um den nächtlichen Schlaf der Kleinen, ums Zahnen, ums Sauberwerden und, und, und. Daher war ich lange der Meinung, die ständige Vergesslichkeit gehört dazu. Ich vergaß, dass mein Mann mich gebeten hatte, etwas abzuholen oder das ich morgens bei meinem Zahnarzt angerufen hatte. Bis heute vergesse ich täglich, wo mein Smartphone liegt, wo ich meine Jacke oder die Einkaufsliste abgelegt habe.

Die Graue Substanz schrumpft

Dann hörte ich von anderen Müttern: Nein, die Vergesslichkeit derer Dinge, die nicht mit dem Kind zu tun haben, ist Absicht von deinem Gehirn. Es hat sich verändert und das schon in der Schwangerschaft. Hast du das nicht gemerkt? Dein Gehirn hat aufgeräumt und dreht sich nun nur noch um das Thema Kind.

Aber das will ich doch gar nicht!
Ich habe doch so viele andere Dinge im Kopf.
Die Selbstständigkeit.
Mein Schreiben.
Mich.

Als ich darüber recherchierte, musste ich feststellen, es ist wahr. Die Schwangerschaft verändert nicht nur den Körper, nein, auch den Kopf. Die Mama und das Gehirn sind nicht mehr dieselben wie vor der Schwangerschaft und dem Muttersein. Teile des Gehirns schrumpfen. Dabei handelt es sich um die „graue Substanz“. Darunter versteht die Wissenschaft Anteile des Zentralnervensystems in der Rinde (Cortex) und in zentral gelegenen Kernen. Nun ist es so, dass mit der grauen Substanz die Intelligenzleistungen des Gehirns in Zusammenhang steht. Daneben steuert sie aber auch unsere sämtlichen Wahrnehmungsprozesse und motorischen Leistungen.

Die Mama und das Gehirn bleiben eins

Was bedeutet es also, wenn die graue Substanz schrumpft? Sind Mütter plötzlich dümmer? Gehen die Mama und das Gehirn getrennte Wege?

Bei werdenden Müttern stellten Wissenschaftler fest, dass vor allem in der Hirnregion, welche für Gefühle, Absichten und soziales Bewusstsein verantwortlich ist, eine sehr deutliche Veränderung stattfindet. Wissenschaftler nennen es „Pruning“. Auch Teenager machen diesen Prozess in der Pubertät durch. Die stattfinde Veränderung ist auch noch zwei Jahre nach der Geburt des Kindes zu erkennen. So kommt es, dass Wissenschaftler anhand von MRT-Aufnahmen sagen können, ob eine Frau kinderlos ist oder nicht. Das wurde mittels Computerprogramm getestet. Die Software konnte zu 100 Prozent feststellen, ob es das Gehirn einer Mama war oder nicht.

Die Mama und das Gehirn

Nun, das sind alles unglaublich spannende wissenschaftliche Fakten. Aber noch einmal: Sind Mamas dümmer? Wissenschaftler beruhigen uns, denn: Der Abbau der grauen Substanz ist eine Art Programm der Natur, welches mit Beginn der Schwangerschaft gestartet wird. Das Gehirn räumt auf, denn Mütter müssen sich neue Fähigkeiten und Erkenntnisse aneignen. Da ist kein Platz für unnützes Zeug. Sorry, Männer!

Wie jede Mama weiß, wir müssen wahrlich eine Menge lernen, wenn es um unsere Kinder geht. Das fängt schon bei uns selbst an. Die Rolle der Mutter ist uns nicht angeboren, wir wachsen hinein. Tag für Tag. So lernen wir uns selbst ganz neu kennen. Manche Frauen verändern ihr ganzes Wesen.

Auch Papas Gehirn verändert sich

Während des Schrumpfens der „grauen Substanz“ verringert sich also in keinster Weise unser Intellekt. Es bauen sich auch nicht kognitive Leistungen oder Hirnzellen ab. Das Gehirn dezimiert ungenutzten Raum und schafft Platz für Neues. Die Mama und das Gehirn ziehen also an einem gemeinsamen Faden.

Übrigens dürfte dieses Phänomen nicht nur bei Müttern stattfinden. Denn es ist eine Vorrichtung der Natur für Eltern. Aber da in der Regel Mütter sich schon sehr früh, also in der Schwangerschaft, auf das kommende Kind einstellen, ist die Veränderungen bei Frauen deutlicher auszumachen.

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